Mit dem Hausboot auf dem „Link“

Wenn man mich fragt, ob man mit dem Hausboot lieber den südlichen oder nördlichen Teil des Shannon befahren soll, fällt mir die Antwort schwer. Mir hat Lough Derg und die Strecke von Portumna nach Carrick sehr gut gefallen. Aber ebenso großartig fand ich unsere Tour ab Carrick über Lough Key auf dem Shannon-Erne-Canal. Ein traumhafter Wasserweg und ganz anders als der Shannon. Daher meine Empfehlung: Entweder muss man sich genug Zeit nehmen, um vom Lough Derg bis in den „Link“, wie der Canal auch genannt wird, zu fahren (mindestens zwei Wochen) oder man muss sich für eine Strecke entscheiden und wiederkommen, um auch die anderen schönen Strecken zu sehen :) .

 

Wir starteten im Oktober 2013 ab der Le Boat Basis, die in Irland übrigens unter dem Namen Emerald Star geführt wird, in Carrick-on-Shannon. Den ersten Abend verbrachten wir in der Marina, um in Ruhe anzukommen und Zeit zum Einkaufen zu haben. In Carrick gibt es einen großen Tesco-Supermarkt, dort gibt es alles, was man an Bord braucht. Unser erstes Abendessen haben wir im The Oarsmen genossen und wer noch ein Bierchen im Pub trinken möchte, sollte Dunnes Pub oder Cryans Traditional Irish Music Bar besuchen. Alles in Laufweite zum Anleger – wie praktisch.

Unsere erste Etappe führte uns in 2,5 Stunden zum Lough Key nach Boyle. Vom Shannon biegt man kurze Zeit nach Abfahrt in Carrick links in den Boyle River ab. Enge Passagen wechseln sich mit seeähnlichen Ausbuchtungen ab. Die Strecke führt vorbei am Carrick Golfplatz, wo man Golfer beim Abschlag beobachten kann.

 

Kurz vor dem Lough Key wartet eine Schleuse. Boyle ist bekannt für seine Abby, eine beeindruckende Zisterzienserabtei  aus dem frühen 13. Jahrhundert. Vom Anleger ist es ein 15-minütiger Fußmarsch zur Abby, der sich lohnt. Unser Guide schaffte es, uns die Geschichte und die architektonischen Besonderheiten der Ruinen lebhaft näher zu bringen.

 

 

 

Mein Tipp zum Essen in Boyle: Clarke´s Pub in der Patrick Street. Hier wird wie bei Muttern gekocht und in der Mittagzeit kommen viele einheimische Bauern und Arbeiter zum Lunch. Von der Abby sind es rund 10 Minuten Fußweg.

 

Die Nacht wollten wir am Anleger des Lough Key Forest & Activity Park verbringen. Nach kaum 30 Minuten sind wir da. 

Eine schöne Kulisse mit den Ruinen von Castle Island im Hintergrund. Es gibt hier nicht nur neue, gut ausgestattete, kostenlose Anlegemöglichkeiten mit Toiletten, Duschen, Pump-out und Strom,  sondern auch ein Besucherzentrum und Spazierwege im Park. Gegen Eintritt kann man das Activity Center besuchen, wo sich ein Baumwipfelpfad, die Reste eines Herrenhauses, ein interaktives Abenteuerhaus (Boda Borg) und ein großer Funpark für Kinder befinden.

Der Moylurg Tower, ein häßlicher Betonturm,  lädt ein, den Lough Key und seine Umgebung von oben zu sehen.

 

Wieder zurück auf dem Shannon ist Leitrim (3 Stunden Fahrzeit von Louh Key) der nächste Ort, hier mündet der Kanal in den Shannon. 

Zum Lough Allen konnten wir leider nicht abbiegen, denn wir fuhren eine Magnifique, die kommt leider nicht durch die Battlebridge Brücke, weil das Boot zu hoch ist. Wir haben in Leitrim im The Barge gegessen und am Nachmittag eine Radtour auf dem Sheemore Trail unternommen. Wer mit dem Fahrrad nicht mehr so gut unterwegs ist: In Leitrim kann man auch Elektroräder mieten (auf der Hauptstraße gegenüber dem Pub).

 

Von jetzt an erlebten wir einen anderen Wasserweg. Der Shannon ist breit und weit, die Ufer von Weideland gesäumt. Der Kanal dagegen liegt in naturbelassener und unverbauter Landschaft. Üppige, mit Schilfrohr und Hecken bewachsene Ufer säumen den Wasserweg, verwunschene Flussbiegungen, kleine Seen und Flussstrecken machen den Kanal zu einem wirklich reizvollen und abwechslungsreichen Erlebnis.

Von Leitrim fuhren wir weiter nach Ballinamore. Das ist der Teil mit den meisten Schleusen – elf Stück mussten wir an diesem Tag meistern – puh, aber am Ende der Etappe waren wir ein eingespieltes Team! Achtung: Kurz vor Keshcarrigan ändert sich die Betonnung der Wasserstraße, da der Shannon eine andere Fahrrinnenmarkierung hat als die Erne-Wasserwege.

In Ballinamore entschieden wir uns für den Anleger vor der Schleuse, da wir am nächsten Tag wieder die Rückreise antreten mussten. Mein Tipp für das Abendessen: Smith´s Bar in der Main Street. Das gemütliche Pub mit Kaminfeuer bietet einfache, aber sehr leckere Pubspeisen.

Zum Shannon-Erne Waterway:

Der 62,5 km lange Kanal (früher Ballinamore-Ballyconnell-Kanal genannt) mit seinen 34 Steinbrücken und 16 automatischen Schleusen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut. Davor waren Shannon und Erne über verschiedene kurze Kanäle miteinander verbunden. Der Betrieb wurde allerdings nach nur neun Jahren Betrieb wieder eingestellt. Ganze acht Boote sind in dieser Zeit durch den Kanal gefahren. Anfang der 90er Jahre wurde mit der Restaurierung des Kanals begonnen. Die Steinbrücken wurden originalgetreu wiederhergestellt, die Schleusen durch moderne Technik ersetzt, die heute mit einer Chipkarte (Smartcard) bedient werden. Diese ist bei den Hausbootvermietern, in Supermärkten oder Tankstellen  oder an der ersten und letzten Schleuse erhältlich. Auch die Serviceblocks  an den Anlegestellen (Toiletten und Duschen, Waschmaschine/Trockner) werden mit der Smartcard „bezahlt“.

Der Shannon-Erne-Waterway beginnt bei Leitrim und mündet nördlich von Belturbet in den Lough Erne. Für die Durchfahrt des Shannon-Erne-Waterway (rund 16 Fahrstunden) sollten rund drei Tage eingeplant werden.

 

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